Datenerfassungszentrum
Chronologische Entwicklung
Am 3. Juli 2010 gab der damalige bayerische Ministerpräsident Horst Seehofer beim „Tag der Franken“ in Kulmbach bekannt, dass 70 Stellen der Finanzverwaltung für den Bereich Datenerfassung im Landkreis Wunsiedel angesiedelt werden.
Den Auftrag zur Planung und Verwirklichung dieses Vorhabens erhielt das Bayerische Landesamt für Steuern, das diesen gemeinsam mit dem Finanzamt Wunsiedel umsetzte. Nach erfolgreicher Suche geeigneter Räumlichkeiten - das Datenerfassungszentrum konnte das freiwerdende Sparkassengebäude direkt neben dem Finanzamt beziehen - wurde ein erstes Personalauswahlverfahren durchgeführt. Aus über 800 Bewerbern wurden für die ersten beiden Aufbaustufen 23 Datenerfassungskräfte aus der Region Wunsiedel eingestellt.
Seit dem Start des Datenerfassungszentrums und der Datenerfassung am 1. März 2011 erfolgte ein schrittweiser Ausbau. Schon im Dezember 2013 wurden für ganz Bayern (mit Ausnahme von Schwaben) die Steuererklärungsdaten manuell erfasst. Parallel zur manuellen Dateneingabe ging man ab Juli 2013 stufenweise zum Scanverfahren über, um die rasant fortschreitende Digitalisierung in der Steuerverwaltung angemessen unterstützen zu können. Die bayernweite Einführung des Scanverfahrens von Steuererklärungen wurde Ende 2017 erfolgreich abgeschlossen. Nunmehr liefern 75 bayerische Finanzämter mit ihren 31 Außenstellen und Bearbeitungsstellen ihre Steuererklärungen zum Scannen nach Wunsiedel.
Es folgten Kooperationsvereinbarungen mit Rheinland-Pfalz und Thüringen. Auch für diese Bundesländer werden die Steuererklärungen inzwischen in Wunsiedel elektronisch erfasst, um die elektronische Bearbeitung von Steuererklärungen in den Finanzämtern zu ermöglichen und zu unterstützen.
Im Zuge der schrittweisen Erweiterung der Aufgaben des Datenerfassungs- und Scanzentrums wurden immer wieder neue Scankräfte und Mitarbeiter (z. B. in der Poststelle) eingestellt. Mit der aktuell letzten Einstellung weiterer Mitarbeiter zum 1. September 2025 beträgt der Personalbestand des Datenerfassungs- und Scanzentrums inzwischen 265 Beschäftigte.
Aufgabenbereich
Vom Datenerfassungs- und Scanzentrum Wunsiedel werden die Daten von Steuererklärungen erfasst, die noch auf Papier - also nicht elektronisch über ELSTER - bei den Finanzämtern in den Allgemeinen Veranlagungsstellen, in den Veranlagungsstellen für Personengesellschaften und in den Veranlagungsstellen für Überschusseinkünfte bzw. Arbeitnehmerstellen eingehen.
Die in den Steuererklärungen enthaltenen Daten werden in Wunsiedel digital erfasst und dann an die zuständigen Finanzämter elektronisch übermittelt. Dort werden die - jetzt digital vorliegenden - Steuererklärungen elektronisch bearbeitet und schließlich, wie bisher, die Steuerbescheide erlassen.
Neben diesem Kerngeschäft erfüllt das Datenerfassungs- und Scanzentrum zahlreiche weitere Aufgaben im Zuge der Digitalisierung der Steuerverwaltung im Freistaat Bayern und in anderen Bundesländern. Dies sind zum Beispiel:
- Scannen der Papiersteuererklärungen für die Grundsteuer
- Sacnnen der Papierposteingänge (sogen. „Weiße Post“) für fast alle Stellen in den Finanzämtern von Bayern, Thüringen und Rheinland-Pfalz
- Scannen der Fragebögen zur steuerlichen Erfassung, die noch in Papierform eingehen
- Scannen von Beweismitteln für die Steuerfahndung
- Sacnnen von Dokumenten für verschiedene Behörden (z. B. für die Lotterieverwaltung und Staatsschuldenverwaltung)
- Scannen von Belegen und Altakten für sonstige Stellen
- Erfassung von Sterbefallanzeigen und Freibelegen für die Erbschaft- und Schenkungsteuer
- Erstellen von Schülerausweisen, Dienstausweise etc.
- Scannen von Personalakten
Zugleich laufen im Datenerfassungs- und Scanzentrum ehrgeizige Projekte, die die Modernisierung der gesamten Verwaltung weiter voranbringen sollen, wie zum Beispiel die rechtssichere Digitalisierung von Dokumenten und Akten. Durch die Möglichkeit des rechtssicheren Scannens kommt den digitalen Dokumenten derselbe Beweiswert zu wie den in Papier vorliegenden Originalunterlagen, sodass die Papier-Originale vernichtet werden können.
Die elektronische Bearbeitung und Aktenführung bedeutet eine erhebliche Arbeitserleichterung vor Ort und ermöglicht eine ortsunabhängige Bearbeitung, z. B. an verschiedenen Finanzamts-Standorten oder im Home-Office. Zudem wird ein maßgeblicher Beitrag zum ressourcenschonenden Umgang mit Papier, Transport- und Lagerkapazitäten geleistet.
